Berliner Morgenpost
Datum:
16.03.2000 
Ressort: Bezirke 
Autor: Thomas Leonhardi

 

Hell und freundlich: Trauerhalle renoviert

Wilmersdorf - Hell und freundlich wirkt die kleine Feierhalle auf dem Gelände des ehemaligen Krematoriums. Das ist aber noch nicht lange so. Denn bis vor kurzem war der Innenraum mit dunkelgelbem Anstrich unansehnlich, wirkte heruntergekommen. Doch jetzt betreten die Trauergäste an der Berliner Straße 81 - 103 einen weiß getünchten Raum mit dezent hellblauer Decke.

Zu verdanken haben sie dies dem Malermeister Bernd Molle aus Friedenau. Marlies-Kathrin Föllmer, die in der ehemaligen Pflanzenhalle Särge nach individuellen Wünschen bemalt, machte Molle auf die triste Trauerstätte aufmerksam. Der sah sich die Räume an und meinte: «Abgenutzt und absolut renovierungsbedürftig.» Dieser Missstand war auch Baustadtrat Alexander Straßmeir (CDU) ein Dorn im Auge. Doch es fehlte das nötige Geld - rund sechseinhalbtausend Mark.

Spontan erklärte sich Molle bereit, die Verschönerung aus eigener Tasche zu bezahlen. Ein etwas merkwürdiges Gefühl sei es gewesen, den Raum der Totenehrung zu streichen, meint der gebürtige Schwabe. Sonst versieht der 48-Jährige Arztpraxen, Wohnungen und Treppenhäuser mit frischer Farbe.

Trotzdem rückte der Malermeister mit seinen zwei Mitarbeitern und sechs Eimern Farbe an. Genau im Sinne des Baustadtrates: «Wir wollen hier eine freundliche Atmosphäre haben.» Das entspräche dem Bedürfnis der Trauergäste.

Außerdem, so kündigte Straßmeir an, kann die kleine Feierhalle ab sofort für private Veranstaltungen gemietet werden. Denkbar seien Feste, Konzerte oder Filmvorführungen - einzige Bedingung: Die Pietät der Umgebung muss gewahrt bleiben. Straßmeir möchte auch die große Feierhalle, einen runden, fast 20 Meter hohen Kuppelbau, mit Natursteinsäulen und Mosaikfenstern, freundlicher gestalten lassen.

Seit den fünfziger Jahren ziert ein tristes Dunkelviolett die Wände. Auch Verputzarbeiten sind notwendig. Doch auch dafür fehlt das Geld. Der Bezirk sucht deshalb dringend Malereibetriebe, Gerüstbauer oder Privatpersonen, die sich mit Spenden an der Sanierung beteiligen.

Der Gebäudekomplex und die Friedhofsanlage sind seit dem vergangenen Jahr als Gartendenkmal geschützt.

Das Krematorium wurde im Jahre 1990 aus Umweltschutzgründen still gelegt.